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Zu den theoretischen Grundlagen der Psychotherapie nach Dr. Daniel Casriel, und warum sie so gut wirkt. Ich denke, hier sollte ich doch noch die Möglichkeit bieten, etwas mehr zum theoretischen Hintergrund der von Dan Cashriel entwickelten Psychotherapie zu erfahren. Als erstes müssen hier sinnvollerweise ein paar Worte dazu gesagt werden, wie sich die Entwicklung jeder menschlichen Persönlichkeit nach heutiger Auffassung abspielt. Nicht, dass ich einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebe. Soweit die verschiedenen psychotherapeutischen Schulen recht übereinstimmend ähnliche Erscheinungen beschreiben, werde ich meist transaktionsanalytische Therminologie verwenden. Etwas noch viel allgemeineres, gradezu antropologisches stelle ich voran: Wir als Menschen besitzen kein Gerüst von strikten Handlungsanweisungen (Instinkten) mehr; nur die Emotionen sollen unsere Handlung schon in eine vernünftige Richtung lenken. Dies gilt grade, wenn wir noch Kinder und von unserer Familie auf Gedeih und Verderb abhängig sind, aber auch als Erwach- sene, wenn wir mit unserer Umgebung klarkommen sollen. Unsere Emotionen und ihr Ausdruck sind also etwas von Anfang an sehr Nützliches. Bonding, New Identity Process, Schreitherapie Zur Greifbarmachung unseres Seelenlebens hat sich die Unterscheidung dreier Persönlichkeits- zustände als sinnvoll bewiesen. {Ich bediene mich hier der Terminologie der Transaktionsanalyse. Ohnehin habe ich es oft als sinnvoll empfunden, Probleme im bewussten Zusammenspiel der hier vorgestellten Persönlichkeitszustände zu lösen; während ich mir die im Bonding angebotenen Nähe nutzte, um mich an neue Einstellungen zu wagen. Nicht, dass Bonding nicht auch ohne Zusatzkenntnisse die wirkungsvollste Methode zur Neuorga- nisation der Persönlichkeit und Verbesserung alter Verhaltensmuster ist, die ich kenne; aber so kam ich um manche Rücksprache mit Therapeuten herum, und konnte wichtige Entscheidungen ange- sichts der knappen Therapiezeit selbständig und so früher treffen. Darum ist es schon sehr nützlich, die Vorstellungen und das Vorgehen in der Transaktionsanalyse nutzen zu können. Der erste Persölichkeitszustand, und Ursprung der beiden anderen ist das Kind-Ich. Dieser Persön- lichkeitsaspekt alleine entspricht in vielem einem kleinen Kind, kann also nicht gut logisch denken, hat aber dafür ursprünglich die Vorzüge reicher Emotionalität, ohne die unser Leben nicht glücklich sein kann. P Nun ist ein junges Kind dem Leben nicht gewachsen, muss also in bestimmten Situationen auf seine Eltern auch dann hören, wenn es eine Situation noch nicht selbst abschätzen kann. Auf ihre Forderungen, nicht (hoffentlich) logisch begründete Verhaltensvorschläge. Sie erinnern sich? "Nun mach endlich"; "Hast du schon wieder..."). Es steht also immer auch ein Druck dahinter. Oft genug geht es leider auch darum, dass die Eltern auch schon ihre Eigenheiten haben, und mit den ursprünglichen Reaktionen des Kindes nicht klar kommen würden. Ergebnis: Die Forderungen der Eltern werden in die eigene Persölichkeit integriert (Eltern-Ich), und das Kind (auch der Erwachsene, der zum Glück, s. O., auch ein "Kind-Ich" hat) reagiert automatisch entsprechend den Forderungen (angepasstes Kind-Ich). Leider ist das sich ergebene Verhalten oft überhaupt nicht optimal, schon gar nicht für das ganze Leben. Unser zuletzt entwickelte Persönlichteilsanteil wird entsprechend Erwachsenen-Ich genannt werden. Im allgemeinen glauben wir, dass wir aufgrund logischer Entscheidungen, also gesteuert von unserem Erwachsenen-Ich handeln. Es kann sehr nützlich sein, wenn das Erwachsenen-Ich dem Kind-Ich in der besonders geschützten Situation des Bondings noch ausdrücklich Rückhalt gibt (natürlich sind beides wir selbst). Natürlich kennen Sie den Begriff Neurose so gut wie ich. Ich finde es sinnvoller, daran zu denken, dass dieses Verhalten für das Kind nützlich war. Und wenn man es als Notlösung ansehen muss, war nicht das Kind daran schuld. Jetzt komme ich zu dem Punkt, der das Besondere der Therapie nach Daniel Casriel ausmacht. Es geht um unsere Emotionen, die wunderbaren Qualitäten "unseres Kind-Ichs" - natürlich niemand anderes als wir selbst. Schließlich wollen wir glücklich werden. Ein kleines Kind aber wird starken eigenen Impulsen widersprechenden Forderungen seiner Eltern (oder anderer Erzieher) nur dann entsprechen, wenn es seine Impulse unterdrückt, und dies heißt: Emotionen "abspaltet". Und diese sind dann ganz weg, erstens später, wenn das herangewachsene Kind in der Lage sein wird, sein Verhalten auch unabhängig von seinen Emotionen zu steuern, und zweitens arbeitet der Unterdrückungsmecha- nismus nicht so spezifisch und unterdrückt auch angenehme Emotionen mit. Wir erinnern uns: Oft genug lag der Sinn dieses Verhaltens vor allem darin, Ärger mit überforderten (z. B. selbst "vorgeschädigten") Eltern zu ersparen. Ursprünglich sind die Emotionen aufgrund von Angst vor Ablehnung durch die wichtigsten Bezugs- personen unterdrückt worden. Die Emotionen, die uns eigentlich beim Überleben helfen sollen. Wir lernten, sie abzuspalten, indem wir ihren Ausdruck unterdrückten und sie selber nicht mehr fühlen mussten. Wenn ich jetzt sage, dass im Mittelpunkt der Therapie nach Daniel Casriel die "Wiedereroberung" unserer eigenen Gefühle steht, möchte ich gleich erläutern, warum ich auf die Bewusstseinszu- stände eingegangen bin, über die Casriel nicht viel sagt: Weil unser Kind-Ich mit theoretischen Erläuterungen nicht viel anfangen kann, sondern die Wahrheit praktisch erleben muss. Genau so praktisch, wie die Ablehnung, die es als Kind erlebte, wenn es "böse war". Unser Kind-Ich, oder ich sage doch besser gleich wir, müssen erleben, dass wir angenommen werden, auch wenn wir unsere lange weggesteckten Emotionen wieder zulassen. Wir müssen es so erleben, dass es "unser Kind" versteht: Wir werden weiter angenommen, das heißt, eine Bezugs- person ist nahe, als Mensch und körperlich. Deswegen wird hier mit jeweils zwei Personen gearbeitet und so ungefähr nachgestellt, dass die eine die andere auf dem Arm hat - für genaues Nachstellen sind wir einfach zu schwer geworden. Der Vollständigkeit halber will ich hinzufügen, dass die Patienten in einer Einstellungsgruppe im Gespräch mit dem Therapeuten lernen können, wie sie sinnvollerweise mit ihren "neuen" Gefühlen (denn so nennen wir Emotionen meistens) umgehen; und wie sie neue Einstellungen entwickeln und ihr Leben mit darauf aufbauenden Handlungsstrategien zukünftig erfolgreicher gestalten können. Als Einstellungen werden in diesem Zusammenhang auf erlebten, an Gefühlen reichen Erfahrungen basierende Grundüberzeugungen über die Rolle der eigenen Person in der Welt verstanden. Beispiele für Einstellungen sind z. B. "Ich bin nichts wert", aber auch "Ich bin liebenswert". Außerordentlich hilfreich für eine erfolgreiche Lebensgestaltung wäre z. B. die Einstellung "Ich sorge für mich, und ich habe das Recht dazu". Falls Ihnen die Einstellung "Ich bin liebenswert" aufstoßen sollte - nun, nach Überzeugung der führenden Psychotherapeuten ist dies eine allgemein zutreffende Tatsache. Keine Angst vor Arroganz; jene ist eine Folge der Unsicherheit über die eigenen Liebenswür- digkeit. Und wie soll jemand andere lieben, der nicht einmal sich selbst zu lieben vermag? "Jemand" mag andere bewundern oder seinen Pflichten nachgehen, aber Liebe annehmen und selbst lieben? Und erst dies gibt dem / der Liebenden die Botschaft: Ja, deine Liebe (und damit Du selbst) bist wertvoll. Ein von seiner Liebenswürdigkeit überzeugter, annahmefähiger Mensch tut seinen Mitmenschen also Gutes, weil er ihre Liebe annimmt. Einstellungen haben durch die oft schmerzhaften Gefühle, die mit ihrer Entstehung einher gingen, und gegen die sie (bzw. das Handeln auf ihrer Grundlage) schützen sollen, die Wirkung, dass Tatsachen, die ihnen widersprechen, nur ausnahmsweise registriert werden. Sie wirken wie ein Filter für die Wahrnehmung. Kurz ausgedrückt können wir uns behindernde Einstellungen als unsere alten Notlösungen als kleine Kinder betrachten. Diese suboptimalen Lösungen bleiben auch nach Neuentscheidungen erhalten und fordern weiterhin ihre Beachtung. Darum ist es im Alltag wichtig, sich an unsere neuen Einstellungen und ihre Gründe zu erinnern und sich immer wieder, und immer leichter, für sie zu entscheiden. Auch wenn die Wiedergewinnung unserer verdrängten Gefühle oft sehr lustvoll ist - und hiergegen ist doch nichts einzuwenden, kann es im Alltag zur Arbeit werden, sich konsequent nach unseren neuen Einstellungen zu richten, und nach ihnen zu handeln. Besonders wichtig ist mir die Feststellung, dass wir dann nach jedem erfolgreichem Schritt zurück zu unseren Gefühlen und zu uns selbst nicht nur weniger unglücklich, sondern auch glücklicher und als Mensch attraktiver werden. Es ist durchaus möglich, dass ihr Behandlungspartner Ihnen das gleich nach dem Bonding sagen wird. Sie müssen nicht überdurchschnittlich gehemmt sein oder andere seelische Probleme haben, um von einer Arbeit in der Tradition Casriels zu profitieren - vielleicht wollen Sie einfach außeror- dentlich erfolgreich und glücklich werden. Denn als Methode zur im wahrsten Sinne des Wortes Rationalisierung der Persönlichkeit halte ich Bonding für unübertroffen. Oder wollen Sie sich mit weniger zufrieden geben? Zurück zum allgemeinen Text über Bonding Lassen Sie mich noch etwas zum Thema Psychosomatik und Psychomotorik "nachreichen". Der Ausdruck einer Emotion ist immer auch ein körperlicher Vorgang wie Lachen, Weinen, Schreien, Schlagen oder Weglaufen. Wenn der Ausdruck einer Emotion und diese selbst unterdrückt wird, wird immer auch eine körperliche Tätigkeit zurückgehalten. Dazu ist die Anspannung von Muskeln notwendig. Wenn es allerdings nicht um die Zurückhaltung eines aktuellen Gefühles geht, sondern um die Folgen eines Rückzuges aus dem Gefühl - und damit immer aus dem Körper - kann auch eine Schlaffheit auftreten, sozusagen ein "vorbeugender Rückzug". In allen diesen Fällen erfolgt eine Heilung erst dann, wenn die eigenen Gefühle und die Möglichkeit ihres physischen Ausdruckes wieder erlangt werden. Und damit wären wir wieder beim Thema Bonding angelangt. Grade die Begriffe Psychomotorik und Psychosomatik belegen, wie sehr das Zusammenspiel von Gefühlen und Körper selbst von den konservativsten Wissenschaftlern anerkannt werden musste. Da die Emotion jeweils die Ursache für das körperliche Symptom ist, wäre es unseriös, sie anders als mit Sorgfalt zu beachten. Es kann doch nicht angehen, dass wir unserem Gefühlshaushalt weniger Pflege zu Teil werden lassen, als Motoren und Getrieben unserer Autos. |